„Es scheint unmöglich, die Periode des Wahnsinns einfach zu überspringen“

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Ein lesenswertes Interview mit dem Stadtplaner Jan Gehl führte Harald Willenbrock für das Wirtschaftsmagazin brand eins.

Hier einige Zitate daraus:

Jan Gehl ist der Mann hinter dem Boom seiner Heimatstadt Kopenhagen, dem Umbau Moskaus und der Wiederbelebung Manhattans. Früher wurde er belächelt. Heute gilt er als einer der einflussreichsten Stadtplaner der Welt. Dabei stellt er nur eine einfache Frage: Wie wollen wir eigentlich leben?

brand eins: Herr Gehl, woran erkennt man die Lebensqualität einer Stadt?
Jan Gehl: Es gibt einen sehr simplen Anhaltspunkt. Schauen Sie, wie viele Kinder und alte Menschen auf Straßen und Plätzen unterwegs sind. Das ist ein ziemlich zuverlässiger Indikator. Eine Stadt ist nach meiner Definition dann lebenswert, wenn sie das menschliche Maß respektiert. Wenn sie also nicht im Tempo des Automobils, sondern in jenem der Fußgänger und Fahrradfahrer tickt. Wenn sich auf ihren überschaubaren Plätze und Gassen wieder Menschen begegnen können. Darin besteht schließlich die Idee einer Stadt.

Über Jahrhunderte wuchsen Städte in einem langsamen, kontinuierlichen Prozess. Jeder war zu Fuß auf der Straße und im gleichen 5 km /h-Tempo unterwegs, die Wege waren überschaubar und die Straßen schmal und abwechslungsreich. Mit dem Wirtschaftswunder änderte sich das radikal. Autos eroberten unsere Straßen, das Durchschnittstempo beschleunigte sich auf 60 km /h, aus Stadt- wurde Verkehrsplanung. Niemand machte sich Gedanken über die Konsequenzen des Modernismus. Heute wissen wir: Um das Leben in einer Stadt zu ersticken, gibt es keine effizienteren Mittel als Autos und Wolkenkratzer.

Jan Gehls Buch „Städte für Menschen“ erscheint im Januar 2015 im Jovis Verlag, es umfasst 288 Seiten und kostet 32 Euro.

Der Film „The Human Scale“ aus dem Jahr 2013 von Andreas M. Dalsgaard porträtiert den Städteplaner Jan Gehl.

Kurzbeschreibung des Films:
Seit über 40 Jahren steht für den Architekten und Städteplaner Jan Gehl das Leben der Menschen in Großstädten im Mittelpunkt seiner visionären und revolutionären Arbeit. Jan Gehl und seine Kollegen haben es sich zur Aufgabe gemacht, neues Leben in die Innenstädte zu bringen, sie wieder lebenswert zu machen. Ihre Städteplanung zielt auf die Optimierung der Beziehung zwischen gebauter Umwelt und der Lebensqualität ihrer Bewohner. Sie wollen die Großstädte vor der Überflutung durch Autos bewahren, Platz für Fußgänger und Fahrradfahrer schaffen, öffentliche Plätze „zurückerobern“. Prominente Beispiele dafür sind die Fußgängerzone und die Fahrradwege in Kopenhagen, die Wiederbelebung der Innenstadt von Melbourne, die Fußgängerbereiche mit Sitzgelegenheiten auf dem Times Square in New York, der Wiederaufbau nach einem Erdbeben der Innenstadt von Christchurch, Neuseeland, in enger Zusammenarbeit mit den Bewohnern, die Millionenstädte Chongqing in China und Dhaka in Bangladesch – der nachhaltige Ansatz Jan Gehls und der Architekten, die seinem Weg folgen, veränderten diese Innenstädte merklich zu Gunsten ihrer Bewohner.

Pressezitate zum Film:
„Ein beeindruckendes, lustiges und mitreißendes Plädoyer für eine grünere, ruhigere, nettere Stadt – mehr Kopenhagen und weniger Los Angeles.“ (Süddeutsche Zeitung)
„Nach diesem Film geht man mit anderen Augen durch die Stadt.“ (Szene Hamburg)
„Sehenswert – ein Plädoyer für lebenswerten öffentlichen Raum.“ (TIP Berlin)
„Ein beeindruckender Dokumentarfilm über die Möglichkeiten der modernen Stadtplanung“ (Nido)

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